Männergewalt gegen Frauen und Kinder ist ein gesellschaftliches Problem.

Gewalt ist die Verletzung der körperlichen und/oder seelischen Integrität eines Menschen. Das Verhalten bezweckt, einen Menschen zu verletzen, und Macht und Kontrolle über diesen Menschen zu erlangen oder sie zu behalten.

Unter Gewalt an Frauen und Kindern verstehen wir die Gewalt von Männern, die nicht nur körperliche Gewalt beinhaltet, wie z.B. schlagen, treten, sondern auch seelische Gewalt, wie z.B.: Psychoterror, Demütigungen und materielle Gewalt, wie z.B. das Verweigern von Haushaltsgeld, Zerstörung von Gegenständen etc.

Das Selbstbestimmungsrecht und die Eigenverantwortlichkeit von Frauen garantiert heute das Grundgesetz. Nicht zuletzt dank der intensiven Arbeit von Feministinnen und engagierten Frauen der neuen Frauenbewegung, erkämpften Frauen auf vielen Ebenen Erfolge: z.B. besuchen heute mehr Mädchen die Gymnasien als Jungen; Vergewaltigung in der Ehe ist endlich ein strafrechtlicher Tatbestand usw.

Diese Erfolge dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie häufig und massiv Frauen im allgemeinen nach wie vor von Benachteiligungen betroffen sind: z.B. leben überproportional viele alleinerziehende Frauen mit Kindern von ALG II.

Da die gesellschaftlichen und individuellen Voraussetzungen nach wie vor oft nicht gegeben sind, um Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zu verbinden, begeben sich immer noch viele Frauen in finanzielle Abhängigkeit von Männern. Frauen verdienen - falls erforderlich oder auch gewünscht - „etwas dazu”.

Die ungleiche Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit in unserer Gesellschaft bleibt damit weitgehend erhalten. Abhängigkeiten und Benachteiligungen zwischen Frauen und Männern lassen sich aber nur aufheben, wenn Frauen und Männer unabhängig voneinander über berufliche Arbeit ihre ökonomischen Existenzen sichern können.

Die Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern basieren auf diesen Strukturen ökonomischer Existenz. Solange Männer Frauen wie ihren Besitz behandeln und die Kleinfamilie nicht als Ort von Gewalt und Unterdrückung benannt wird, brauchen Frauen noch sehr viel Mut, Unterstützung, Kraft und Macht, um ein selbstbestimmtes Leben für sich und ihre Kinder zu erkämpfen.

Frauen erleben Gewalt auf der strukturellen und individuellen Ebene. Strukturelle Gewalt resultiert aus den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die, über Jahrhunderte tradierten und aktuellen Werte und Normen, Gesetze und Besitzverhältnisse sind die Grundlage für diskriminierende, einengende und von Gewalt geprägte Lebensbedingungen von Frauen.

In der Familie oder Partnerschaft ist das Ausmaß körperlicher Misshandlungen und seelischer Grausamkeiten von erschreckender Bandbreite. Frauen werden geschlagen, verprügelt, verletzt.
Sie werden bedroht, eingesperrt, genötigt.
Sie erleiden Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen, Hirnverletzungen, Platzwunden, Hämatome, Wunden durch Verbrennen, Fehlgeburten durch Prügel, ausgeschlagene Zähne, Würgemale, eingerissene Ohrläppchen und Lippen, ausgerissene Haare, Verletzungen in der Vagina durch Vergewaltigung und Einführen von Gegenständen. Hartnäckig wird versucht, die Gewalt von Männern gegen Frauen zu individualisieren.
Hierzu gehören alle Versuche, die Frauenmisshandlung als Verhaltensweise von Psychopathen, Suchtkranken oder Asozialen zu betrachten oder als Modus der Konfliktlösung der Unterschichten zu erklären.

Deutlich wird dies auch in Medienberichten, die von Familientragödien berichten, wenn es um Männergewalt gegen Frauen und Kindern geht.

Misshandlungen von Frauen innerhalb ihrer Beziehung sind kein schichtspezifisches Problem. Männer aller sozialen Schichten, Bildungs- und Berufsgruppen üben Gewalt gegenüber Frauen aus.
Die obigen Beispiele zeigen, dass die unterschiedlichsten Anlässe und Umstände, unter denen Frauenmisshandlung in der Öffentlichkeit dargestellt werden, implizieren, dass die betroffene Frau unfähig ist, sich einen „normalen” Mann zu suchen.

Das heißt also, im Grunde beruht ihre Situation auf ihrer eigenen Unzulänglichkeit in Bezug auf eine geschickte Partnerwahl.
Damit wird aber die Gewalttätigkeit der Männer zum Problem der Frauen umdefiniert.

Das genaue Ausmaß der Gewalt gegen Frauen und der auch immer davon mitbetroffenen Kinder ist nicht bekannt, denn die Übergriffe finden ”zu Hause”, in der Familie oder Partnerschaft statt, an einem Ort, der die geringste Kontrollmöglichkeit beinhaltet und nur einen beschränkten Eingriff von staatlicher Seite zulässt.

Gewalt an Frauen, auch bezeichnet als häusliche Gewalt, Männergewalt und/oder Beziehungsgewalt ist alltägliche Realität von Frauen und Kindern.

Gewalt an Frauen ist ein weltweites Problem. Sie betrifft weder Frauen einer speziellen Nationalität noch Frauen einer bestimmten Schichtzugehörigkeit. Gewalttätig werden nicht Menschen, sondern Männer. Männer schlagen die Person am häufigsten, die sie am meisten lieben und an die sie sich am stärksten binden.

Das bedeutet, dass Frauen am meisten Angst vor dem Mann haben müssten, der ihr im Leben am nächsten steht - und nicht vor dem Unbekannten im Nachtbus.

Der gefährlichste Ort ist die Familie - und nicht der dunkele Park. Gewalt ist gewollt. Jeder Gewalthandlung liegt eine bestimmte Intension zugrunde, eine Entscheidung zur Gewalt. Gewalthandlungen als Kurzschlusshandlungen zu bezeichnen bedeutet eine Verharmlosung der Gewalt. Jede Gewalthandlung ist eine willentliche und selbst zu verantwortende Tat.

Diese wichtigen gesellschaftlichen und individuellen Zusammenhänge in Gewaltbeziehungen sind der Hintergrund für unsere Beratungs- und Gruppenarbeit für Frauen mit Gewalterfahrungen.

Die Frauenberatung Verden hat schon seit Beginn der Beratungsarbeit 1993 als einen wichtigen Schwerpunkt die Beratung und Unterstützung von Frauen, die in Gewaltbeziehungen leben oder gelebt haben.

Seit Januar 2002 gibt es ein neues Gewaltschutzgesetz, in dem verschiedene rechtliche Möglichkeiten festgeschrieben wurden, um Frauen und Kindern, die häusliche Männergewalt in der Familie erleben, schneller, effektiver zu helfen und sie besser zu schützen.

Das Motto lautet: „Wer schlägt, muss gehen!”.

Eine schon lange geforderte Regelung, damit Frauen und Kinder an dem Ort wohnen bleiben können, der ihr Zuhause ist und die Täter sich einen anderen Ort suchen müssen. BISS (Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt) wird nun Hilfen anbieten in akuten Fällen im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes.

Die Frauenberatung Verden wird im Rahmen der psychosozialen Beratung psychische und physische Gewalt als ein Thema behalten und verstärkt Beratung zu den Folgen von Gewalt anbieten.

Im Landkreis Verden bieten wir durch die Zusammenarbeit von Frauenhaus, BISS und der Frauenberatung ein vielfältiges, kompetentes Netzwerk für Frauen, die bei Gewalt und den Folgen Hilfe suchen.

Die Vielfalt dieser drei Angebote bietet den Frauen eine Wahlmöglichkeit in den unterschiedlichen Hilfestadien. Die Frauenberatung bietet Unterstützung zur Stabilisierung an, wenn die Frau sich aus der Gewaltbeziehung gelöst hat, sowie längerfristige Beratung für Frauen, die sich noch nicht gelöst haben und einen Weg entwickeln wollen, aus ihrer Gewaltbeziehung heraus zu kommen. Sich in akuter Bedrohung Hilfe zu holen durch Polizei und BISS ist der erste Schritt aus einer Gewaltbeziehung.

Viel schwerer bleibt es oft, diesen Weg mutig weiterzugehen, die eigenen Grenzen wiederzuentdecken und eine Trennung durchzuhalten, egal welcher gesellschaftliche, soziale und finanzielle Abstieg damit verbunden ist.

Damit Frauen den Weg der Trennung aus einer oft jahrelangen Gewaltbeziehung beschreiten können, ist eine längerfristige psychosoziale Begleitung erforderlich. Diese Begleitung kann es ihnen ermöglichen, eigene emotionale Verstrickungen anzusehen und die erlebten Erfahrungen zu bearbeiten. Auch mit dem neuen Gewaltschutzgesetz erfordert die Trennung aus einer Gewaltbeziehung ungeheueren Mut.

Frauen müssen die Chance haben, trotz jahrelanger Unterdrückung wieder Stärke zu entwickeln um ihren individuellen Heilungsprozess gehen zu können. Als Voraussetzung brauchen sie Zeit, Schutzräume, vielfältige gesellschaftliche Unterstützung und Geduld von allen Seiten.

DANKE
sagen wir für die Spende des Vereins „Frauen fördern die Gesundheit e.V.”,
der dem Deutschen Ärztinnenbund angehört.
Diese Unterstützung ermöglicht es, unser Gruppenangebot für Frauen „Stärkung in Krisenzeiten”, das von der Psychologin Dr. Iris Stahlke geleitet und seit Jahren gut angenommen wird, fortzuführen.

Wir freuen uns über diese Anerkennung unserer Arbeit!

www.aerztinnenbund.de


2005 entwickelte das Verdener Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt an Kindern und Frauen einen mehrsprachigen Nachbarschaftsflyer, um die Hilfsmöglichkeiten und Wege aus der Gewalt mehrsprachig aufzuzeigen. Dieser Flyer liegt an allen wichtigen öffentlichen Orten aus.

Die Frauenberatung Verden war daran maßgeblich beteiligt.